Keine Kastration ohne Spritze

Westfälische Nachrichten 01.09.2010

Laer – Maria Büning ist es gewohnt, besonders mit ihren kritischen Kunden auf dem Wochen- und Bio-Markt in Münster zu diskutieren. „Die wollen auch wissen, wie unsere Tiere geschlachtet und kastriert werden,“ erklärt die Bio-Bäuerin, die mit ihrem Mann Martin schon seit 1996 Bunte Bentheimer Schweine züchtet. Weil die alte Haustierrasse vor dem Aussterben bedroht ist, erhielt ihr Betrieb, der nach dem Motto „Erhalten durch Aufessen“ handelt, vor 14 Jahren durch die Gesellschaft zur Erhaltung gefährdeter Haustierrassen (GEH) die Anerkennung als Arche-Hof.

Ein Blick auf die große Scheunenwand auf dem Hof an der Borghorster Straße 67 in der Laerer Aabauerschaft zeigt, dass es für den 70 Hektar großen Hof seit der Umstellung auf ökologische Bewirtschaftung nach Naturlandrichtlinien im Jahr 1990 bereits viele Auszeichnungen gegeben hat.

 
 
 
 
 
 
 

Seit neuestem ist der Ökodemonstrationshof auch Neuland-Betrieb. Ende August bekamen die landwirtschaftlichen Seiteneinsteiger die offizielle Anerkennung des Vereins für artgerechte und umweltschonende Nutztierhaltung. Die ethische Verpflichtung des Menschen gegenüber dem Tier und der Umwelt ist die Grundidee des Projektes, das 1988 gegründet wurde. Basis seines Programms sind gemeinsam erarbeitete Richtlinien zur Haltung, Schlachtung, Transport und Verarbeitung der Tiere.

„Nur, wer seine Tiere artgerecht hält, wird anerkannt,“ betont Martin Steinmann, der Vorstandsmitglied des Neulandes-Vereines ist, während einer Pressekonferenz auf dem Büning-Hof. Während des Gesprächs – an dem auch Bürgermeister Detlev Prange teilnimmt – geht es nicht nur um die offizielle Anerkennung als Neuland-Betrieb, sondern auch um das siebte Bunte Bentheimer Schweinefest, zu dem das Ehepaar am 12. September (Sonntag) von 10 bis 18 Uhr in die Aabauerschaft einlädt. Dieses bietet allen Besuchern die Gelegenheit, sich in allen Ställen sowie im Freilaufgehege umzusehen und viele ebenfalls biologisch wirtschaftende Kollegenbetriebe der Bünings kennenzulernen, die alte Kartoffelsorten, alte Tomaten und alte Obstsorten offerieren. Zudem gibt es Ziegen- und Kuhkäse, Öle, Honig, Blumen, Stauden und vieles mehr. „Die ganze Palette des Ökolandbaues wird auf einem bunten Wochenmarkt präsentiert“, heißt es im Einladungsschreiben der Gastgeber, die zudem ein Kinderprogramm mit Strohhüpfburg, Malen und Tiere füttern versprechen. Außerdem gibt es den bewährten Schweinegewichts-Schätzwettbewerb sowie Essen und Trinken in Hülle und Fülle. Nicht zu vergessen die Infostände. Im persönlichen Gespräch können die Gäste auch erfahren, dass die Ferkel des Ehepaars Büning eine Spritze mit einem Schmerzmittel bekommen, bevor sie kastriert werden. Als Vorreiter in Sachen Tierschutz sieht sich der Neuland-Verein, der sich gegen eine schmerzhafte Kastration bei vollem Bewusstsein ausspricht. „Wir sind das erste Markenfleischprogramm, bei dem seit Mai 2008 alle Ferkel nur noch unter Betäubung und schmerzfrei kastriert werden“, betont Martin Steinmann.

VON SABINE NIESTERT, STEINFURT 01 · 09 · 10